Zwischen Pest und Cholera

Gülle, Granen, Weizenfeld, gefährlich für Hunde

Warum gerade dieses Thema fragt ihr euch?
Nun die LUBAs inkl. Herrchen waren letztens spazieren – dabei entstand unter anderem das Bild des heutigen Blogartikels durch einen reinen Zufall.

Als ich Lucy vor dem wallenden Getreidefeld fotografieren wollte, erschrak ich richtig, denn plötzlich sah ich sie umringt von Gefahren, denn auf der anderen Wegseite war ein riesiger Misthaufen.
Der Gedanke, der mir durch den Kopf schoss war „Heute können wir zwischen Pest und Cholera wählen“.

Ja ich geb´s zu – ein krasser Vergleich, wenn man zwischen Misthaufen und Weizenfeld steht aber oft ist der erste Gedanke doch nicht der schlechteste – und sei es nur, damit dieser Blogartikel entstehen konnte.

Denn ich glaub, einigen von Euch geht es da wie mir – man vergisst oft, wie gefährlich sowohl Getreidefeld wie auch Mist bzw. Gülle (=Jauche) für unsere Hunde sein können. Am ehesten empfinden wir es noch als lästig und dabei häufen sich gerade derzeit die Meldung über verletzte Hunde die mit den kleinen spitzen und fiesen Pflanzenteilen von Kornähren in Berührung gekommen sind.

Deswegen passt es ganz gut, vielleicht damit wir es uns alle wieder bewusst in Erinnerung rufen, damit der ein oder andere vielleicht was neues darüber liest und damit wir uns, wenn ihr Lust habt darüber austauschen können.

Der beissende Geruch der Gülle – einmal gerochen – nie wieder vergessen

Nicht umsonst sagt man – das stinkt wie die Pest – ein passender Vergleich, wenn es um Gülle geht.

Als kleinen Exkurs aus der Quelle https://aspetos.com/de/post/pestilenz-krankheit-tod-eine-kleine-geschichte-des-gestanks/720:
Bis zur Erforschung der Mikroorganismen um 1880 wurde den schlechten Gerüchen ein direkter Einfluß auf die Gesundheit und Lebenserwartung zugeschrieben und „stinkende Orte“ wie Kloaken, Massengräber, Abortgruben, Sümpfe und Gase, die aus dem Erdinneren, „der Hölle“ oder dem Körper austraten, wurden als Ursache für tödliche Kranken gesehen.“

Wir wohnen am Land – so toll das ist im Grünen zu wohnen und von Vogelgezwitscher geweckt zu werden – es hat auch Nachteile. Diese werden spätestens dann klar, wenn man morgens die Fenster öffnet und herzhaften einen tiefen Atemzug nimmt von —- igitt igitt —– da ist er wieder, dieser beissende Gestank der alles andere überdeckt. Statt frischer, blumiger Luft erfüllt Ammoniak den Raum, heftet sich scheinbar überall an und ist ohne Einladung gekommen um zu bleiben.

Ich persönlich glaube fest daran, dass es ein landwirtschaftliches Darknet gibt in welchem sich alle Bauern unserer Umgebung treffen um gemeinsam die Stinke-Tage festzulegen. Wie sonst kann es sein, dass plötzlich überall Güllepanzen hinter Traktoren hergezogen werden und sich ein grünlich-braun getränktes Feld an das andere reiht? Wer nun glaubt ich übertreibe – nein – wirklich – wenn man von Großzügigkeit spricht dann sicherlich in Bezug auf die Menge der Gülle die so über die Felder verteilt werden, denn teilweise sieht man gar nicht mehr was darunter so gewachsen ist.

Jedenfalls bleiben dann stunden- oder tagelang die Fenster geschlossen. Zum Spazieren gehen flüchtet man in Nachbarorte und umgeht weitläufig das gegüllte Gebiet.

Kann man nicht flüchten, weil via Darknet sogar Nachbarorte beim großen Gülle-Marathon mitmachen umgeht man die bereits nach Gülle triefenden Felder weitläufig. Doch selbst die Luft ist güllegetränkt, der Geruch scheint oftmals richtig festzuhängen und im Besten Fall müssen nach dem Spaziergang nur die Klamotten gewaschen werden, im schlechtesten Fall die LUBAs von Kopf bis Fuß gebadet. Der Geruch ist wie ein ungewolltes Parfüm, er haftet sich an egal ob bei Hund oder Mensch. Und seien wir ehrlich – kuscheln mit etwas, das riecht als wäre es schon mindestens alle 4 Mägen einer Kuh durchlaufen steht nun wirklich nicht an oberster Stelle.
Doch leider kann Gülle weitaus mehr, als übel zu riechen….

 

Gefahrenquelle Gülle (Jauche)

Während wir bei einem gegüllten Feld die Nase rümpfen, uns vielleicht sogar ekeln werden Hunde von dem Geruch schier magisch angezogen. Sie wollen daran naschen, sich vielleicht darin wälzen oder an den mit Gülle getränkten Halmen schlecken, oft auch aus den Pfützen mit Gülle, die sich am Feldrand bilden trinken. Besonders schlimm wird es, wenn der Hund eine kleine Verletzung hat und diese mit der Gülle in Berührung kommt.

Was ich früher nicht wusste – der direkte Kontakt mit Gülle kann für unsere Hunde richtig gefährlich werden. Der Gestank ist eine Sache aber durch ein Bad leicht zu beheben – wesentlich schlimmer ist, dass ein Ausflug ins ein gegülltes Feld im schlimmsten Fall für unsere Hunde sogar tödlich enden kann.

Und das liegt an einem Gift des Bakteriums Clostridium botulinum.
Botulismus ist ursprünglich eine Form der Fleischvergiftung beim Menschen und wird durch das Gift des Bakteriums botulinum verursacht. Dieses Gift, das sich Botulinumtoxin nennt ist das stärkste Nervengift, dass wir kennen und vielen aus der Schönheitsbrachnce als Botox bekannt.
Dieses Nervengift unterbricht die Verbindung zwischen Nerven und Muskulatur, was wir in der Kosmetik zur Hautstraffung sehr schätzen, denn durch die Muskellähmung werden die Falten geglättet.

 

Hunde sind eigentlich weitaus weniger anfällig für eine Infektion mit Botulismus und erbrechen außerdem verhältnismäßig schnell, wenn sie verdorbene Nahrung gefressen haben, da der Körper grundsätzlich rasch dafür sorgt, dass Gifte ausgeschieden werden um keinen Schaden anzurichten – daher ist eine Infektion über verdorbenes Fleisch relativ selten. Dennoch besteht die Gefahr für den Hund dieses Gift aufzunehmen grundsätzlich bei jedem Kadaver den der Hund ableckt oder anfrisst. Auch beim Barfen besteht ein gewisses Risiko mit dem Gift in Kontakt zu kommen – vorallem bei unsachgemäßer Lagerung und Auftauen von Fleisch.

Gemäß Angaben des Instituts für Veterinärpharmakologie und ‑toxikologie der Universität Zürich zeigen sich die Symptome des sogenannten Botulismus ein bis zwei Tage, nachdem das Gift aufgenommen wurde. In dieser Zeit hat sich das Botulinumtoxin in den äusseren Nervenenden angereichert

Daher wird vielerorts inzwischen diskutiert und angenommen, dass die Vergiftungen die zb. im Frühjahr mengenmäßig gehäuft auftreten im direkten Zusammenhang mit den gegüllten Feldern stehen.

Denn Gülle wird in der Landwirtschaft auf Bauernhöfen über längere Zeit in unter der Erde liegenden Güllegruben gesammelt und bildet während es „lagert“ Gase und Bakterien welche die Gülle als Düngemittel so wertvoll macht.
Durch eben diese Gasbildung kann die Güllegrube nicht komplett abgedichtet werden, die Folge – Mäuse u/o Ratten „verirren“ sich in die Güllegrube und ertrinken in dieser. Durch die in der Gülle eingeschlossenen Kadaver bildet sich der ideale Nährboden für das Vorkommen von Sporen und Bakterien des Bakterium Botulinum.

 

Hat der Hund das Gift aufgenommen (gefressen) wird es im Darm resorbiert und gelangt in die Blutbahn. Verhaltensveränderungen werden nicht festgestellt, da es die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden kann, dennoch richtet es Schäden an den peripheren Nervenenden an und hat schwere Auswirkungen – zb. beginnt der Hund zu hinken (lahmen). Da das teilweise auch erst mehrere Tage nach dem Kontakt mit dem Gift passieren kann, fehlt Hundehaltern oft der direkte Zusammenhang. Die Lähmungserscheinungen ziehen sich langsam über den gesamten Hundekörper bis zuletzt starkes speicheln und Schluckbeschwerden auftreten und der Hund keine Nahrung oder Flüssigkeit mehr zu sich nehmen kann und durch die Atemlähmung erstickt.
ACHTUNG – hierbei sei gesagt, dass die Schwere der Erkrankung mit der Menge des Giftes in Zusammenhang steht.

Ab welcher Menge es für den Hund gefährlich wird, ist noch nicht klar – auch ob ein reines Wälzen in einem gegüllten Feld bereits Vergiftungserscheinungen auslösen kann ist nicht bekannt.

Dennoch – Vorsicht ist besser als Nachsicht – für den Hund ist sicherer, wenn er nicht auf gegüllten Wiesen spielt oder davon nascht.
Pfoten nach dem Kontakt mit Gülle baden, ggf. den ganzen Hund auch wenn der das nicht will.

 

Granen – was genau bitte ist denn das?

Granen sind Teile von Getreideähren – es sind die kleinen, spitzen Pflanzenteile welche das Samenkorn schützend umschließen, ganz harmlos aussehen, sich wunderschön im Wind wiegen und dabei doch so gefährlich sind.

Granen haben kleine Widerhaken die sich an allem festhalten/festbohren.
Vor allem im Sommer/Herbst wo das Getreide blüht leiden viele Hunde unter Granen Unfälle.

Dabei bleiben Granen teilweise anfangs oft unentdeckt doch ACHTUNG – sie können sich tief in die Sinnesorgane bohren, überall festsetzen und für den Hund sehr schmerzhaft sein.

Wenn der Hund nach dem Spaziergang folgende Symptome zeigt, kann es sich um einen Granen Unfall handeln

  • Heftiges kratzen
  • Leckt sich intensiv (an den Pfoten)
  • Hinkt / lahmt
  • Schüttelt den Kopf
  • Hustet oder niest
  • Hat Gerötete u/o zugekniffene Augen

Erste Maßnahmen:

  • Ohren kontrollieren – Granen können sich bis zum Trommelfell durchbohren
  • Augen kontrollieren – Granen können eine Bindehautentzündung auslösen
  • Pfoten – auch zwischen den Zehen kontrollieren
  • Nase und Maul kontrollieren – Granen bohren sich häufig durch die Nase bis in die Lunge
  • Genitalien kontrollieren

Oft sieht man eine harmlose kleine „Beule“ auf der Haut wo sich die Grane in den Hund gebohrt hat und muss diese aufwändig unter Narkose entfernen lassen. Granen können unter der Haut wandern und dabei große Strecken zurücklegen und durch die Widerhaken hilft dem Hund weder Schütteln noch herumschlecken oder beissen.

Wenn ihr eine Grane entdeckt habt – erstmal Ruhe bewahren!
Steckt sie nur leicht in der Haut kann sie mit einer Pinzette entfernt werden – bist du dir aber nicht sicher, ob du sie selbst entfernen kannst – unbedingt ab zum Tierarzt. Hier gilt für mich – besser einmal zu oft als einmal zuwenig!

 

Was kann man tun?
Ehrlich gesagt leider nicht viel, Spaziergänge durch Kornfelder vermeiden, keine Spiele direkt bei Getreidefeldern und möglichst Abstand zu den Ähren halten.
Aber ACHTUNG – durch den Wind können Granen weit geweht werden – haltet deshalb die Augen offen um Euren Hund zu schützen.

Das wichtigste ist – den Hund nach jedem Spaziergang kurz auf Granen zu kontrollieren, je früher eine Grane entdeckt wird umso besser.

 

Fazit

Nun wisst ihr, warum mein Gedanke „Zwischen Pest und Cholera“ für mich so gut gepasst hat. Bei den LUBAs ist es gottseidank so, dass wir nicht allzuviele Getreidefelder in unserem Umkreis haben. Die wenigen die wir haben werden sehr großräumig umgangen und zur Erntezeit die Wege überhaupt gemieden – sicher ist sicher.

Güllefelder haben wir dafür schon etwas mehr – muss ja auch sein, damit der Bauer dann wieder vom gut gedüngten Feld seinen Ertrag ernten kann. Man lernt sich damit zu arrangieren und Lucy findet gegüllte Felder gottseidank doof – viel zu groß ist die Gefahr, dass sie danach in die Wanne muss und bis zur Nasenspitze einschamponiert wird.

In diesem Sinne – stets gesunde Hunde und tolle Spaziergänge!

Das war´s wieder ihr Lieben – wenn Euch unser Blogartikel gefallen hat freuen wir uns über Kommentar oder eine Nachricht!

Machts gut
Eure LuBa´s

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